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Der Therapiehund im Tageszentrum - Aktive tiergestützte Aktivitäten für Menschen mit Demenz

Ziel unserer Arbeit ist eine gute Betreuung von Menschen mit Demenz. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn sie sich in einem fortgeschrittenem Krankheitsstadium befinden. Vorstand und Team des Tageszentrums sind daran interessiert, die Qualität der Betreuungsarbeit kontinuierlich zu verbessern und neue Interventionen zu erproben.
Nachdem Frau Euler, die Leiterin des Tageszentrums, von der positiven Wirkung ihrer Katze auf die Gäste berichtete, entstand die Idee, einen Therapiehund gezielt bei der Betreuung unserer Gäste im Tageszentrum einzusetzen. Die Rahmenbedingungen sind durch den großen Garten und der Bereitschaft von Euler, den Hund bei sich aufzunehmen und zu versorgen, gegeben.
Das Problem der Finanzierung des Projektes Therapiehung, halfen uns die Bürgerstiftung Hanau Stadt und Land, sowie die Berenbrok-Winterstein-Stiftung mit großzügiger Unterstützung zu lösen.
Generell richten sich die Anforderungen an einen Therapiehund nach dem, was von ihm erwartet wird. Die folgende Aufzählung zeigt die vielfältigen therapeutischen Handlungsfelder, in denen der Hund eine wichtige Hilfe darstellen kann¹:
- Der Gesprächseinstieg mit Hund ist spontaner. Oft werden von den Gästen kleine Erlebnisse erinnert.
- Die Kommunikation kann ganzheitlicher werden: Sie muss nicht unbedingt auf verbaler Ebene stattfinden, sondern auch durch Mimik, Gestik oder Berührung.
- Der Hund kann bei der körperlichen Aktivierung helfen, indem der Gast z.B. einen Ball wirft oder Leckerchen versteckt.
- Der Hund hat durch sein weiches, warmes Fell stimulierende Funktion, die zum Streicheln auffordert.
- Der Hund kann helfen, die Stimmung der Gäste aufzuhellen und Lethargie zu überwinden, z.B. durch Apportier- und Suchspiele, bei denen auch die Zuschauer Spaß haben.
- Er kann kognitive Prozesse fördern, durch Gespräche, in denen Hunderassen, Hundenamen oder Erlebnisse mit Hunden aus der eigenen Biographie erinnert werden.
- Er fördert die Wiederaufnahme sozialer Beziehungen: Einsamkeit und Langeweile werden zumindest kurzfristig zurückgedrängt; und indem z.B. ein Gast gemeinsam mit einem anderen das Fell des Hundes bürstet, kann Mitmenschlichkeit erlebt werden.
¹ Badelt-Vogt: Tiergestützte Therapie bei Demenzkranken, Projektarbeit, Juli 2004, S. 11/12

Weitere positive Aspekte werden von Prof. Dr. Erhard Olbrich von der Universität Erlangen-Nürnberg und Ines Jonas, Mitarbeiterin im Kuratorium Deutsche Altershilfe in der Broschüre „Ein Plädoyer für Tierhaltung in Alten- und Pflegeheimen“ beschrieben, der die folgenden Aufzählungen entnommen sind²:
Physiologische Wirkung
- Durch den Körperkontakt mit dem Tier kommt es zur Muskelentspannung.
- Mit Tieren wird viel gespielt und gelacht, das hat schmerzverringernde, beruhigende und euphorisierende Effekte.
- Durch die Bewegung (Spaziergang, Spielen, Streicheln) wird der Mensch motorisch aktiviert.
- Der Tastsinn wird durch das Streicheln angeregt - ebenso wie die Sinne, sehen, hören, riechen.
Psychologische Wirkung
- Tiere vermitteln emotionale Nähe und lebendige Wärme.
- Das Bedürfnis nach Geborgenheit, Nähe und Gemeinsamkeit wird erfüllt.
- Ein Tier orientiert sich nicht an Defiziten, es akzeptiert die Menschen vorurteilsfrei, wie sie sind, und gibt spontane Zuwendung und Zärtlichkeit.
- Tiere bringen Bewegung ins Leben und beugen so der Lethargie und Bewegungsarmut vor.
Soziale Wirkung
- Ein Tier fördert Offenheit und Unverkrampftheit von Menschen miteinander.
- Ein Tier fördert eine sinnvolle Tagesstrukturierung.
- Das Tier ist auch Mittel zur Kommunikation und Integration. Durch ein Tier kommen Menschen. schneller ins Gespräch und begegnen sich freundlicher.
² Jonas; Olbrich 1998

Zum Einfluss tiergestützter Aktivitäten auf die Lebensqualität von Menschen mit Demenz liegen wissenschaftliche Untersuchungen vor, die positive Effekte in den Bereichen Wohlbefinden, Konzentrationsfähigkeit und Orientierungsfähigkeit bei geringerer Depressionsneigung belegen. (Vgl. Olbrich 2001, Greiffenhagen 1991, Schillinger 2004)
Als geeignete Hunderassen kommen Labrador und Golden Retriever in Frage, wobei die Hunde der Rasse Labrador vom Charakter her noch etwas belastbarer sind. Wir haben uns für einen Labrador entschieden, nicht zuletzt auch deshalb, weil es in Nidderau eine sehr erfahrene Züchterin, Frau Nina Pürzl, gibt. Diese arbeitet eng mit einer Tierärztin zusammen, die Hunde ausbildet.
Am 30. April 2010 wurde der vierte Wurf einer Zuchthündin geboren. In den ersten acht Wochen verbleiben die Welpen bei der Mutter. Während dieser Zeit kann die Entwicklung beobachtet und eingeschätzt werden, welche der Welpen sich besonders gut für den Einsatz als Therapiehund eignen wird. Die Auswahl des Hundes für das Alzheimer Tageszentrum erfolgte durch Züchterin und Tierärztin, die bereits in der 7. und 8. Lebenswoche damit begonnen haben, den Welpen auf das Leben im Tageszentrum vorzubereiten.
So hat denn nun Ben zu uns gefunden, der smarte Zeitgenosse auf den Bildern oben. Wie es mit Ben weiter geht, lesen sie auf seiner eigenen Seite.

